THC bei Chemotherapie-Übelkeit: Was die Forschung sagt, was im Körper passiert und warum viele Patienten es trotzdem heimlich nehmen
Übelkeit ist eine der häufigsten und belastendsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Nicht das kurze Unwohlsein, das nach einem schlechten Essen kommt sondern eine Übelkeit, die tagelang anhält, den Appetit komplett zerstört und selbst kleine Alltagsdinge unerträglich macht. Moderne Medikamente haben das akute Erbrechen direkt nach der Infusion inzwischen gut unter Kontrolle. Die verzögerte Welle, die oft erst 24 bis 48 Stunden später einsetzt und dann mehrere Tage bleibt, ist ein anderes Problem. Genau hier greifen viele Patienten zu THC oft ohne ihr Behandlungsteam zu informieren. Dieser Beitrag erklärt, warum das pharmakologisch sinnvoll ist, worauf man dabei achten muss und wie der Weg zu einer offiziellen Verschreibung aussieht.
Was im Körper passiert: Übelkeit bei Chemotherapie verstehen
Chemotherapeutika (also Medikamente, die Krebszellen abtöten) schädigen nicht nur Tumorzellen, sondern auch schnell teilende gesunde Zellen darunter die Schleimhautzellen im Darm. Wenn diese Zellen geschädigt werden, schütten sie Serotonin aus. Serotonin ist ein Botenstoff, der unter anderem das Brechzentrum im Hirnstamm aktiviert. Das Ergebnis: Übelkeit und Erbrechen.
Manche Chemotherapien lösen dabei eine akute Phase aus, die direkt am Infusionstag einsetzt, und eine verzögerte Phase, die erst Tage später beginnt. Irinotecan ein Wirkstoff der häufig beim Darmkrebs eingesetzt wird, etwa im sogenannten FOLFIRI-Protokoll gehört zu den Substanzen mit dem stärksten Übelkeitsprofil. Die verzögerte Übelkeit nach Irinotecan kann bis zu einer Woche anhalten.
Die Standardmedikamente gegen diese Übelkeit Antiemetika (also Mittel gegen Erbrechen) genannt arbeiten hauptsächlich über Serotonin-Rezeptoren. Das funktioniert für viele Patienten gut, aber nicht für alle. Besonders die verzögerte Übelkeit der Tage danach ist schwerer zu kontrollieren.
Was THC damit zu tun hat
Das menschliche Gehirn und der Darm sind durchzogen von einem Netzwerk aus Rezeptoren, dem sogenannten Endocannabinoid-System (ein körpereigenes System aus Andockstellen für bestimmte Botenstoffe). Dieses System reguliert unter anderem Appetit, Schmerz, Entzündungen — und Übelkeit. THC, der psychoaktive Wirkstoff der Cannabispflanze, dockt direkt an diese Rezeptoren an, besonders an die sogenannten CB1-Rezeptoren im Hirnstamm.
Eine Studie aus dem Jahr 2011 zeigte, dass THC über genau diese CB1-Rezeptoren Erbrechen hemmen kann. Umgekehrt: Wenn diese Rezeptoren blockiert werden, wird Übelkeit gefördert. Das Endocannabinoid-System ist also direkt an der Regulierung von Übelkeit beteiligt und THC setzt genau dort an, wo die Standardmedikamente nicht wirken.
Das ist kein alternativer Ansatz und kein Placebo-Effekt. Es ist ein biochemisch klar beschreibbarer Mechanismus über einen anderen Signalweg als die üblichen Antiemetika. Die beiden Ansätze konkurrieren nicht, sie ergänzen sich.
Was die Forschung sagt
Die klinische Forschung zu THC und Chemotherapie-Übelkeit reicht bis in die 1970er Jahre zurück. Dr. Franjo Grotenhermen, einer der bekanntesten deutschen Cannabis-Mediziner, hat darauf hingewiesen, dass seit 1975 mehr als 100 kontrollierte klinische Studien zur Wirksamkeit von THC bei Chemotherapie-Übelkeit durchgeführt wurden. Das ist keine Randforschung.
Eine Cochrane-Übersichtsarbeit (eine besonders strenge Form der Forschungsauswertung, bei der viele Einzelstudien zusammengefasst und kritisch bewertet werden) analysierte 23 randomisierte kontrollierte Studien und kam zu dem Ergebnis: Patienten, die Cannabinoide erhielten, erlebten weniger Übelkeit und Erbrechen als die Placebo-Gruppe. Diese Übersichtsarbeit wurde zuletzt 2025 aktualisiert und ist über die Cochrane-Datenbank frei zugänglich: https://www.cochrane.org/evidence/CD009464
In einer aktuelleren klinischen Studie aus dem Jahr 2020 mit 81 Krebspatienten, die trotz Standardmedikation weiter unter Übelkeit litten, bekamen die Teilnehmer zusätzlich THC/CBD-Kapseln oder ein Placebo. 83 Prozent der Betroffenen bevorzugten hinterher die Behandlung mit Cannabinoiden obwohl etwa ein Drittel milde Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Schwindel angab. Diese Studie wurde an der Universität Sydney durchgeführt.
Die aktuellste klinische Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte niedrig dosierte Cannabinoide: 2,5 mg THC dreimal täglich, also insgesamt 7,5 mg pro Tag. Auch bei dieser geringen Dosis zeigten sich Effekte auf Übelkeit und Wohlbefinden.
Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) fasst den Stand so zusammen: In Studien hat sich gezeigt, dass Cannabinoide Chemotherapie-verursachtes Erbrechen und Übelkeit wirksam lindern können — insbesondere bei Patienten, bei denen die üblichen Medikamente nicht ausreichend gewirkt haben. Fachleute empfehlen Cannabinoide daher als Reservemittel oder Ergänzung, wenn die Standardtherapie nicht ausreicht. Die vollständige Einschätzung des DKFZ ist hier zu finden: https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/cannabis-und-cannabinoide-bei-krebs
Die Medikamente, die Patienten bekommen — und warum die Lücke entsteht
Um zu verstehen, warum so viele Patienten trotz Medikation weiter unter Übelkeit leiden, lohnt ein kurzer Blick auf die Standardmittel.
Dexamethason ist ein synthetisches Kortison (ein entzündungshemmendes Hormon-Präparat), das in fast allen Chemo-Protokollen standardmäßig enthalten ist — nicht weil der Patient es zwingend braucht, sondern präventiv. Es dämpft Entzündungsreaktionen, die das Brechzentrum triggern, und schützt außerdem vor allergischen Reaktionen auf die Chemotherapeutika selbst. Bei Paclitaxel (einem anderen häufig eingesetzten Chemotherapeutikum) ist Dexamethason sogar fester Bestandteil des Protokolls, um schwere Überempfindlichkeitsreaktionen zu verhindern. Nebenwirkungen von Dexamethason: Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Blutdruckanstieg, erhöhter Blutzucker, Wassereinlagerungen, und beim Absetzen eine Rebound-Phase, weil der Körper die plötzliche Reduktion des künstlichen Kortisons spürt.
Olanzapin ist eigentlich ein Antipsychotikum (ein Medikament, das ursprünglich für Schizophrenie und bipolare Störungen entwickelt wurde). Es wirkt auf Dopamin- und Serotonin-Rezeptoren im Gehirn — und genau diese Rezeptoren sind auch am Brechzentrum beteiligt. Weil es an mehreren Rezeptoren gleichzeitig angreift, ist es bei hochemetogener Chemotherapie (also bei Chemo-Protokollen die besonders starke Übelkeit auslösen, wie FOLFIRI) eines der wirksamsten Antiemetika. Es wird oft als Tablette nach Hause mitgegeben, weil Irinotecan eine verzögerte Übelkeitswelle auslöst, die erst Tage nach der Infusion kommt. Nebenwirkungen: starke Sedierung (Benommenheit, schweres Körpergefühl), Schwindel, und ausgeprägte Appetitsteigerung — weil Olanzapin Leptin-Signalwege blockiert, also die Mechanismen, über die das Gehirn das Sättigungsgefühl registriert.
Das Problem: Dexamethason und Olanzapin wirken beide auf das Nervensystem und den Kreislauf. Zusammen mit den direkten Effekten der Chemotherapeutika entsteht ein Zustand, bei dem tagelang mehrere starke Substanzen gleichzeitig im Körper aktiv sind. Kopfschmerzen und Schwindel über eine Woche nach der Infusion sind bei diesem Zusammenspiel keine Überraschung — sie sind die fast unvermeidliche Summe mehrerer Faktoren.
THC greift über das Endocannabinoid-System ein — einen Weg, der von all diesen Substanzen nicht berührt wird. Es füllt eine Lücke, die pharmakologisch real existiert.
Warum nicht einfach Vollspektrum-Cannabisöl nehmen — der CBD-Anteil als Problem
Hier kommt ein Punkt, den viele nicht auf dem Schirm haben: Nicht jedes Cannabis-Produkt ist für die Begleittherapie bei Chemotherapie gleich gut geeignet.
Vollspektrum-Cannabisöle enthalten neben THC immer auch einen Anteil CBD. CBD (Cannabidiol) ist der nicht-psychoaktive Wirkstoff der Cannabispflanze und gilt allgemein als harmlos. Das stimmt in vielen Kontexten. Bei einer Chemotherapie gibt es aber ein konkretes Problem: CBD hemmt ein Leberenzym namens CYP3A4 (eine Art biochemische Abbaumaschine, die viele Medikamente im Körper zerlegt, damit sie ausgeschieden werden können).
Irinotecan wird über genau dieses Enzym abgebaut. Wenn CBD das Enzym bremst, wird Irinotecan langsamer abgebaut als vorgesehen — es bleibt länger im Blut und erreicht höhere Konzentrationen als die berechnete Dosis. Die Dosierung von Chemotherapeutika wird exakt auf Körpergewicht und Körperoberfläche berechnet. Jede unkontrollierte Erhöhung der Wirkstoffkonzentration bedeutet auch mehr Toxizität (Giftigkeit): stärkere Schleimhautschäden, stärkere Knochenmarksuppression (die Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark), stärkere Diarrhö. Und das Tückische daran: Die Nebenwirkungen, die ohnehin schon da sind, werden einfach schlimmer — ohne dass jemand den Zusammenhang erkennt, weil niemand von der CBD-Einnahme weiß.
Für die Begleittherapie bei Chemotherapie bedeutet das: THC-dominante Präparate mit möglichst geringem CBD-Anteil sind deutlich besser geeignet als Vollspektrum-Öle. Das pharmakologisch sauberste Mittel ist Dronabinol — reines, natürliches THC ohne CBD-Anteil — das in Deutschland auf Rezept erhältlich ist.
Eine Übersicht zu Wechselwirkungen zwischen Cannabinoiden und Chemotherapeutika findet sich in dieser Fachpublikation: https://apotura.de/cannabis-bei-appetitlosigkeit-uebelkeit-unter-chemotherapie/
Warum Onkologen zögern — obwohl die Datenlage da ist
Eine Befragung US-amerikanischer Onkologen, veröffentlicht im Journal of Clinical Oncology, ergab: 70,6 Prozent fühlten sich nicht ausreichend informiert, um Cannabis zu verschreiben. Das ist eine erschreckend hohe Zahl angesichts von mehr als 100 klinischen Studien zu diesem Thema.
Das bedeutet nicht, dass Onkologen gleichgültig sind. Es bedeutet, dass Cannabis in der medizinischen Ausbildung lange keine Rolle gespielt hat, dass die Forschung fragmentiert und in ihrer Qualität heterogen ist, und dass der bürokratische Aufwand für eine Verschreibung Ärzte abschreckt. Das Ergebnis: Patienten greifen selbst zu Mitteln, die helfen, ohne die nötigen Informationen über Wechselwirkungen zu haben — weil das Gespräch mit dem Arzt nicht stattfindet.
Was in Deutschland jetzt möglich ist
Seit April 2024 hat sich die rechtliche Situation grundlegend verändert. Mit dem Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) können Cannabisarzneimittel in Deutschland auf einem normalen elektronischen Rezept verschrieben werden — kein Betäubungsmittelrezept mehr nötig. Ausnahme ist Nabilon, ein synthetisches THC-Analogon, das weiterhin ein BtM-Rezept benötigt.
Grundsätzlich darf jeder Arzt — mit Ausnahme von Zahn- und Tierärzten — Cannabisarzneimittel verschreiben. In der Onkologie ist der behandelnde Onkologe die direkteste Anlaufstelle, da er das Chemo-Protokoll kennt und die Wechselwirkungen einschätzen kann.
Für gesetzlich Versicherte gilt: Bei bestimmten Facharztgruppen ist seit Oktober 2024 keine Vorabgenehmigung der Krankenkasse mehr nötig. Onkologen gehören in der Regel dazu. Bei anderen Arztgruppen bleibt eine Genehmigungspflicht bestehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, klärt das vorab mit der Krankenkasse.
Voraussetzung für eine Kostenübernahme ist, dass die Standardtherapie nicht ausreichend wirkt oder nicht zumutbar ist — das ist bei anhaltendem Übelkeits-Durchbruch trotz Olanzapin und Dexamethason ein nachvollziehbares Argument.
Weitere Informationen zur aktuellen Rechtslage finden sich direkt beim DKFZ: https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/cannabis-und-cannabinoide-bei-krebs
Das Gespräch mit dem Onkologen führen
Wer THC bereits eigenständig eingenommen hat und merkt, dass es hilft, sollte das offen ansprechen. Onkologen hören das inzwischen regelmäßig. Das Gespräch ist keine Beichte — es ist eine klinische Information. Zu wissen, dass ein Patient ein Vollspektrum-Öl mit CBD-Anteil eingenommen hat, ist für den behandelnden Arzt relevant: rückwirkend, um unklare Laborwerte einzuordnen, und nach vorne gerichtet, um eine saubere Lösung zu finden.
Das sauberste Argument für das Gespräch lautet: Die vorhandenen Mittel haben eine Lücke gelassen. THC hat diese Lücke über einen anderen pharmakologischen Weg geschlossen. Jetzt soll es richtig gemacht werden — mit einem Präparat ohne CBD-Anteil, offiziell verschrieben, im Wissen des Behandlungsteams.
Das ist kein ungewöhnlicher Wunsch. Es ist eine sachliche Weiterführung einer Therapie, die bereits funktioniert hat.
Quellen
- Cochrane-Übersichtsarbeit zu Cannabis bei Chemotherapie-Übelkeit (aktualisiert 2025): https://www.cochrane.org/evidence/CD009464
- Krebsinformationsdienst des DKFZ zu Cannabis und Cannabinoiden bei Krebs: https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/cannabis-und-cannabinoide-bei-krebs
- Apotura – Cannabis bei Übelkeit unter Chemotherapie, inkl. Wechselwirkungsübersicht: https://apotura.de/cannabis-bei-appetitlosigkeit-uebelkeit-unter-chemotherapie/
- Avaay Medical – Cannabis gegen Übelkeit, aktuelle Studienlage 2024: https://avaay.de/cannabis-gegen-uebelkeit/
- Cannaviva – THC und CBD bei Chemotherapie-Übelkeit, Mechanismen und Dosierung: https://cannaviva.ch/cannabis-bei-uebelkeit/
- DoktorABC – Cannabis und Krebs, Studienlage und Onkologen-Befragung: https://www.doktorabc.com/de/allgemeine-medizin/medizinisches-cannabis/cannabis-gegen-krebs
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zur eigenen Behandlung ist das Gespräch mit dem behandelnden Onkologen der richtige erste Schritt.
PS
Ein wichtiger Hinweis zur Selbstmedikation. Ich rate ausdrücklich davon ab, THC eigenständig und ohne Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen einzunehmen und das sage ich als jemand, der von der Wirksamkeit überzeugt ist. Die Gründe sind konkret:THC und CBD beeinflussen Leberenzyme, über die Chemotherapeutika abgebaut werden. Wer am Abend vor der Infusion einen Joint raucht oder Tropfen nimmt, hat aktive Cannabinoide im System genau dann, wenn die Chemo aufgenommen wird das ist der ungünstigste Zeitpunkt. Die Konzentration des Chemotherapeutikums im Blut kann dadurch unkontrolliert steigen, ohne dass irgendjemand es merkt. Vollspektrum-Produkte mit hohem CBD-Anteil verstärken dieses Risiko erheblich. CBD hemmt CYP3A4 stärker als THC das haben wir in diesem Beitrag ausführlich erklärt. Wer glaubt, CBD-Öl sei harmlos weil es nicht psychoaktiv ist, unterschätzt die pharmakologische Wirkung. Dazu kommt: Wer THC heimlich nimmt, nimmt dem Behandlungsteam die Möglichkeit, unklare Laborwerte oder veränderte Nebenwirkungen richtig einzuordnen. Das kann Entscheidungen über die weitere Therapie beeinflussen ohne dass jemand den Zusammenhang erkennt. Das Gespräch mit dem Onkologen ist kein Verhör. Es ist der einzige Weg, THC sicher und sinnvoll in die Behandlung zu integrieren mit dem richtigen Präparat, zur richtigen Zeit, in der richtigen Dosis. Genau dafür gibt es seit 2024 in Deutschland einen legalen, unkomplizierten Weg.
Ein persönliches Wort zum Schluss
Das Wohl des Patienten steht an erster Stelle. Immer. Das bedeutet in der Praxis: schnelle, wirksame Symptomkontrolle und wenn ein Mittel das leistet, hat es seinen Platz verdient. Die Standardmedikamente wie Dexamethason und Olanzapin sind nicht ohne Grund etabliert. Sie wirken. Und sie sind der richtige erste Schritt.
Aber Medizin endet nicht am Tellerrand des Altbewährten.
Was die Forschung zunehmend zeigt: THC hat gegenüber klassischen Antiemetika und Psychopharmaka ein spezifisches Vorteilsprofil gerade dann, wenn starke Substanzen über mehrere Tage im Körper aktiv sind.
Olanzapin ist ein Antipsychotikum. Es wirkt, aber es bringt schwere Sedierung, den Verlust des Sättigungsgefühls und ein ausgeprägtes Körpergefühl mit, das viele Patienten als belastend beschreiben. Dexamethason ist synthetisches Kortison mit Auswirkungen auf Blutdruck, Blutzucker, Schlaf und Immunsystem, selbst bei kurzfristiger Einnahme.
THC wirkt über das Endocannabinoid-System ein körpereigenes Netzwerk, das genau für diese Regulationsaufgaben mitverantwortlich ist. Es macht keine Kortison-typischen Systemeffekte. Es unterdrückt nicht das Sättigungsgefühl, sondern fördert eher den Appetit. Die Sedierung ist milder und für viele Patienten besser tolerierbar als die von Olanzapin. Und es greift nicht in den Abbau von Chemotherapeutika ein solange der CBD-Anteil gering gehalten wird.
Das ist kein Plädoyer gegen die Schulmedizin. Es ist ein Plädoyer dafür, den Patienten mit allen verfügbaren Mitteln zu behandeln und THC gehört zu diesen Mitteln.
Über die Autorin
Kein Medizinstudium. Ein abgebrochenes Bibelstudium, Jahre als Techniker in Krisengebieten, und zwanzig Jahre in der psychedelischen Praxis, nicht als Beobachterin, sondern mittendrin.
Ich habe mit einer Vielzahl psychedelischer Substanzen gearbeitet. Ich habe indigene Gemeinschaften auf mehreren Kontinenten besucht, nicht um Fotos zu machen, sondern um zu verstehen, wie Menschen seit Generationen mit dem arbeiten, was um sie herum wächst, und was davon trägt und was nicht. Ich gehöre nicht in die esoterische Ecke. Ich arbeite mit Dingen, die man greifen kann.
Gleichzeitig bin ich sicher, dass hinter dem, was Wissenschaft messen kann, ein Raum existiert, den wir weder erfassen noch beschreiben werden. Das ist keine Kritik an der Wissenschaft, das ist ihre ehrliche Grenze. Ich verfolge Studien, lese Forschung, ordne ein. Und ich weigere mich, dabei so zu tun, als wäre peer-reviewed das einzige Kriterium für Wirklichkeit.
Was ich in jedem Vortrag sage und in jedem Buch schreibe: Lehnt nichts ab, nur weil es aus der Apotheke kommt. Und lehnt nichts ab, nur weil es nicht aus ihr kommt. Wir dürfen aus beiden zu schöpfen.
Im Sommer werde ich mein fünftes Buch veröffentlichen, seid gespannt.
Make Love Great Again

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