Viele Punkte bedeuten nicht automatisch mehr Wirkung. Trotzdem hält sich kaum ein Glaubenssatz in der Kambo-Welt so hartnäckig

Was die Forschung über Dosis und Rezeptoren zeigt.

Warum mehr Kambo nicht mehr bringt:

Es gibt diesen Glaubenssatz, der sich durch die Kambo-Community zieht wie ein ungeprüftes Gerücht: Großes Trauma braucht große Dosis. Viele Sambaqui (die Brandwunden, durch die die Medizin in den Körper eintritt) sollen angeblich nötig sein, um ein tiefes Trauma zu lösen.

Klingt logisch.

Ist aber pharmakologisch falsch.

Einfach ausgedrückt: Mehr Medizin heißt nicht automatisch mehr Wirkung. Ab einem bestimmten Punkt bringt zusätzliche Substanz nichts mehr und kann sogar das Gegenteil bewirken.

Um zu verstehen warum, müssen wir uns ansehen was Kambo im Körper eigentlich tut.

Was sind Rezeptoren und warum sind sie begrenzt?

Eine Rezeptor ist eine Art Andockstelle an einer Nervenzelle. Man kann sie sich wie ein Schloss vorstellen, das nur zu einem bestimmten Schlüssel passt. Die Peptide aus dem Kambo-Sekret etwa Dermorphin und Deltorphin sind genau dieser passende Schlüssel für die sogenannten Opioid-Rezeptoren.

Einfach ausgedrückt: Stell dir tausende kleine Steckdosen im Körper vor. Jede Steckdose kann genau ein Kabel aufnehmen. Sobald sie belegt ist, bringt ein zweites Kabel an derselben Stelle nichts mehr.

Diese Opioid-Rezeptoren gibt es nicht nur an einer Stelle, sondern verteilt im gesamten Körper im Rückenmark, im Gehirn, im autonomen Nervensystem (dem Teil des Nervensystems, der unbewusst Herzschlag, Verdauung und Atmung steuert) sowie in peripheren Organen und Geweben

Es gibt mehrere Unterarten dieser Rezeptoren: Mu-, Kappa- und Delta-Rezeptoren, die sich noch weiter in Subtypen aufteilen.

Einfach ausgedrückt: Es gibt nicht nur eine Steckdosenart im Haus, sondern verschiedene Stecker-Systeme manche im Gehirn, manche im Bauch, manche entlang der Wirbelsäule.

Aber egal welche Art: Jede Steckdose ist trotzdem begrenzt vorhanden.

Was passiert, wenn alle Rezeptoren besetzt sind?

Sobald ein Peptid an einen Rezeptor andockt, entfaltet es seine Wirkung. Sind nach einer bestimmten Menge alle verfügbaren Rezeptoren an dieser Stelle besetzt, kann ein weiteres Peptid dort nicht mehr zusätzlich wirken es findet schlicht keine freie Andockstelle mehr.

Einfach ausgedrückt: Wenn alle Steckdosen im Raum belegt sind, bringt es nichts, noch zehn weitere Kabel mitzubringen. Sie haben einfach keinen Platz mehr.

Das bedeutet konkret: Ab einem gewissen Punkt sättigt sich das System. Mehr Sambaqui, mehr Medizin auf der Haut aber keine zusätzliche Bindung an Rezeptoren, weil schlicht keine freien Stellen mehr da sind.

Der zweite Mechanismus: Wenn der Körper sich schützt.

Es gibt noch einen weiteren Effekt, der gegen „viel hilft viel“ spricht die Desensibilisierung.

Das ist ein körpereigener Schutzmechanismus: Wird ein Rezeptor zu stark oder zu lange stimuliert, reguliert die Zelle ihre Empfindlichkeit herunter. Internationale Forschung zur Toleranzentwicklung bei Opioiden hat gezeigt, dass für unterschiedliche Substanzen verschiedene molekulare Mechanismen existieren, die zu dieser Desensibilisierung der Opioid-Rezeptoren führen.

Einfach ausgedrückt: Der Körper ist kein passiver Empfänger. Wenn ein Reiz zu stark wird, macht er die Tür von innen zu nicht aus Trotz, sondern aus Selbstschutz.

Genau wie deine Augen sich bei zu hellem Licht zusammenziehen, statt noch mehr Licht aufzunehmen.

Das heißt: Übermäßige Dosierung kann theoretisch sogar das Gegenteil des gewünschten Effekts erzeugen der Körper reagiert mit Rückzug statt mit Öffnung.

Was die Forschung über die Wirkstoffe selbst weiß:

Die wissenschaftliche Aufarbeitung von Kambo zeigt ein differenziertes Bild der einzelnen Peptide. Für das Opioidpeptid Dermorphin konnte bei äußerlicher Anwendung über die Haut keine Gängigkeit durch die Blut-Hirn-Schranke nachgewiesen werden die Schranke, die schützt, was ins Gehirn darf und was draußen bleibt. Bei direkter Verabreichung ins Nervenwasser zeigte sich Dermorphin allerdings im Vergleich zu Morphin überlegen in Wirkstärke, Wirkdauer und Verträglichkeit.

Einfach ausgedrückt: Dermorphin ist enorm stark stärker als Morphin sogar aber es kommt bei einer normalen Kambo-Anwendung auf der Haut wahrscheinlich nicht direkt ins Gehirn.

Das relativiert auch die Vorstellung, dass „mehr drauf“ automatisch „mehr im Kopf“ bedeutet.

Deltorphin hingegen soll laut Forschung tatsächlich die Blut-Hirn-Schranke überwinden können ein Unterschied der zeigt: Nicht jedes Peptid verhält sich gleich, und die Menge allein erklärt nicht die Wirkung.

Die Forschungslage insgesamt:

Insgesamt wurden in einer grundlegenden Untersuchung 1993 acht verschiedene bioaktive Peptide in genauen Mengenverhältnissen identifiziert etwa 32 Mikrogramm Caerulin, 18 Mikrogramm Phyllokinin und 22 Mikrogramm Phyllomedusin pro Milligramm Kambo. Die Forscher selbst beschrieben das Sekret als einen chemischen Cocktail mit potenzieller medizinischer Anwendbarkeit, der mit keinem anderen Amphibiensekret vergleichbar sei

Einfach ausgedrückt: Kambo ist kein einzelner Wirkstoff, sondern eine fein abgestimmte Mischung aus vielen verschiedenen Peptiden in winzigen, aber präzisen Mengen. Diese Präzision ist Teil der Wirkung nicht die schiere Menge.

Was das für die Praxis bedeutet:

Wenn ein Mensch mit einem großen Trauma zur Sitzung kommt, braucht er nicht mehr Sambaqui. Er braucht mehr Raum, um das zu verarbeiten, was die Medizin in Bewegung bringt.Einfach ausgedrückt: Die Medizin öffnet eine Tür. Sie geht aber nicht selbst durch diese Tür. Das Trauma zu lösen ist die Arbeit, die danach passiert im Nervensystem, im Fühlen, in der Zeit, die sich ein Mensch nimmt, um zu verarbeiten was hochkam. Mehr Medizin drückt nur fester gegen eine Tür, die bereits offen ist. Das bringt nichts zusätzlich es belastet höchstens den Körper unnötig.Genau deshalb arbeite ich nicht nach dem Prinzip „viel hilft viel“. Ich arbeite mit der Menge, die der Körper tatsächlich verarbeiten kann — und vertraue darauf, dass die eigentliche Veränderung nicht während der Anwendung passiert, sondern in der Zeit danach.

Cle
https://kambo-vechta.de

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